Dario Fo – "Dramatiker des Volkes" - 

immer provoziert und angeeckt


Dario Fo, der am 24. März 1926 in San Giano am Lago Maggiore als Sohn eines Eisenbahnangestellten geboren wurde, ist eigentlich ein Verlierer par excellence. Sein Studium der Malerei und Architektur brach er ab, und seine ersten Stücke, die er mit einer 1959 gemeinsam mit seiner Ehefrau Franca Reme gegründeten Theatergruppe aufführte, wurden verboten. 
Kaum ein anderer Autor seiner Popularität ist im eigenen Land so umstritten und angefeindet. In Intellektuellenkreisen regten sich die Kritiker wegen seiner unkonventionellen Volksnähe. Aber den Autor als unkonventionell zu bezeichnen, wäre untertrieben. Seine von bissiger Satire und tagespolitischen Bezügen durchsetzten Komödien waren der katholischen Kirche und dem italienischen Staat immer wieder ein Dorn im Auge. Politiker, Richter, Fernsehanstalten erklärten den Dramatiker zu einer Art persona non grata. Verschiedene Fernsehsender verbannten ihn vom Bildschirm, einige Male wurde er auf offener Bühne von der Polizei verhaftet, und die USA verweigerten ihm zweimal die Einreise. 
„Dario Fo steht in der Nachfolge mittelalterlicher Gaukler. Er geißelt die Machtlosigkeit und richtet die Würde der Schwachen wieder auf“, hieß es 1997 in der Jurybegründung des Stockholmer Nobelpreiskomitees. „Wir sind Flegel, und wie allen Flegeln dieser Welt gefällt es uns, zu lachen und zu spotten, grotesk, vulgär und manchmal auch possenhaft zu sein.“ So beschrieb Dario Fo sein eigenes künstlerisches Credo. 
Insgesamt schrieb der Dramatiker, Schauspieler und Regisseur mehr als 70 Werke. Dabei hat er zeitlebens bewusst provoziert und polarisiert. Die Folgen eines Schlaganfalls Mitte der 90er Jahre hat der moderne Interpret der Commedia dell' arte gut überstanden und gibt sich nach wie vor äußerst streitlustig. Auch seine jüngste Bühnenarbeit „Der anormale Doppelkopf“ - ein mehr als zweistündiges Zweipersonenstück, das er mit seiner Frau Franca Reme spielte - sorgte in Italien für Schlagzeilen, weil er darin Putins Hirn in Berlusconis Kopf verpflanzt.
Erst kürzlich schoss er wieder einen seiner verbalen Giftpfeile ab, als er über sein Heimatland Italien befand: „Früher hatte die politische Klasse mehr Stil. Die jetzige Regierung ist grobschlächtig, vulgär, unerbittlich.“


    

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