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Diderot zu seinem jungen Sekretär: Du bist
wie alle jungen Leute: du erwartest die große Liebe und die wahre Philosophie. Im
Singular. Der Irrtum der Jugend ist der Singular ... Aber es gibt nicht nur die eine Frau
und die eine Philosophie ... Wie soll man auf ... auf sämtliche Ideen verzichten fÜr nur
die eine! Der Fanatismus hat keinen anderen Ursprung ... Mache aus deinem Geist einen
Freigeist. Schlafe mit der einen ein - wache mit der anderen auf - ich rede jetzt von
Ideen - verlasse die eine fÜr die andere, greife alle auf, bleibe nicht an einer
hängen."
aus: 'Der Freigeist'
Gefährliche Liebschaften
Denis Diderot, Enzyklopädist und Liebhaber schöner Frauen, soll auf dem Schloss seines
Freundes Baron d'Holbach einen Beitrag Über die Moral verfassen. Doch er wird abgelenkt:
von seiner eifersüchtigen Frau, von den leidenschaftlichen Töchtern des Gastgebers und
von den Reizen der Malerin Therbouche. Ein amüsantes Spiel Über Liebe, Ehe, Treue und
einen skeptischen Poeten, der Opfer seines eigenen Begehrens wird.
über Diderot
"Er ist ein netter Junge, sehr sanft, sehr liebenswürdig, ein großer Philosoph, ein
scharfer Denker - aber er schweift ununterbrochen vom
Thema ab. In den Stunden zwischen neun und ein Uhr, die er gestern in meinem Zimmer
verbrachte, mindestens fünfundzwanzigmal."
(Charles de Brosses, 1754)
"Diderot - das war die fleischgewordenen Diskussion, die laute hemmungslose
Zungenfertigkeit, der unaufhörliche Redestrom, der aus
einem rauchenden Kopf auf die Erde niederging ... Diderot war weiter nichts als ein
großes anarchisches Gehirn. Besser gesagt, es herrschte in ihm sogar eine doppelte
Anarchie: die des Denkens und die des Herzens.
(Jules Barbey d'Aurevilly, 1880)
Sinnenfreude und Skepsis
Denis Diderot, einer der vielseitigsten Philosophen des 18. Jahrhunderts, widmete 25 Jahre
seines Lebens der Herausgabe der "Enzyklopädie", die 1780 in 35 Bänden vorlag.
Dieses Lexikon hatte zum Ziel, alles Wissen der Zeit zu versammeln, gleichzeitig
wissenschaftlich, philosophisch und allgemeinverständlich zu sein. Neben den Künsten und
Wissenschaften, und dies war neu, wurde das Handwerk gleichgestellt. Von Diderot selbst
stammen die Beiträge Über Geschichte, Philosophie, Ästhetik, Grammatik, Rhetorik und
Politik. Darüberhinaus annähernd tausend Artikel über die technischen Künste des
Handwerks.
Diese Vielseitigkeit Diderots hängt eng mit seiner Persönlichkeit zusammen. Der geniale
Philosoph war jemand, der sich verzetteln, der sich geradezu verschwenderisch jedem neuen
Impuls und jeder Person hingeben konnte. Er hatte ein erotisches Verhältnis zum Denken,
wobei jede Idee jedoch nicht lange von ihm Besitz ergreifen durfte.
Bei aller Weitschweifigkeit fehlte Diderot das Pflichtbewusstsein nicht. Das gilt für
Arbeit und Privatleben. Trotz seiner vielen Geliebten blieb Diderot seiner Familie treu
und wünschte für seine Tochter Angélique die größtmögliche aller weiblichen
Sicherheiten, die Ehe. Seine Moral leitet er letztlich aus den natürlichen Bedürfnissen
ab, denen man durchaus freien Lauf gewähren kann, solange kein anderer Schaden nimmt.
Im Spannungsfeld zwischen Pflichtbewusstsein (Diderot muss einen Artikel über die Moral
verfassen) und Sinnenfreude (begehrenswerte Frauen machen ihm den Hof) zeigt ihn auch
Eric-Emmanuel Schmitts Komödie. Wofür wird sich der Philosoph am Ende entscheiden? -
Für die Moral? Für die Liebe? Für etwas ganz anderes?
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