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Studienfahrt 2010 der Schüler der Kursstufe 2 des Fürstenberg-Gymnasiums nach Prag und Krakau Autor:
Paul Cervenak
Foto
von Frauke Jürgensen Samstag,
25.9.2010 19:39: 21 Schüler der Kursstufe 2 des Fürstenberg-Gymnasiums
Donaueschingen brechen zusammen mit den betreuenden Lehrkräften Frauke
Jürgensen und Johannes Schneider zur Studienfahrt in die Städte Prag
und Krakau auf. Von
Donaueschingen nach Offenburg mit dem IRE, ab Offenburg dann mit dem
Nachtzug quasi im Schlaf direkt in die Hauptstadt Tschechiens. Gleich
nach Ankunft und dem Bezug der Zimmer am Mittag ging es auch schon zum
Ersterkundungsrundgang in das Zentrum. Die Innenstadt beeindruckte
hierbei mit einem hohen Maß an Mobilität durch das gut ausgebaute
Metronetz, ihren vielseitigen Fassaden, wobei keine der anderen glich
und dem reichhaltigen kulinarischen Angebot, welches die Spanne zwischen
moderner Esskultur und traditioneller tschechischer Küche nahezu völlig
zu schließen wusste. Eine besondere Aufmerksamkeit erfuhren bei diesem
Rundgang die Caféhäuser der Stadt, in denen sich früher die gehobene
Gesellschaft der Stadt zum kulturellen Austausch traf. Eigens von den
Teilnehmern vorbereitete Referate lieferten hierbei und auch bei in den
weiteren Tagen besuchten Orten wichtige Hintergrundinformationen. Zum
Ausklang des Tages wurde daher auch das
renommierte Café Louvre besucht. Regelmäßige Besucher dieser Lokalität
waren unter anderem auch Persönlichkeiten von Weltrang wie Franz Kafka,
Karel Capek und Albert Einstein. Mit guter Stimmung begann am Montagmorgen die dreieinhalbstündige Stadtführung durch die Prager Altstadt. Die Schwerpunkte lagen dabei auf der mittelalterlichen Geschichte der Stadt und der ihrer Väter. Aber auch politisch hochbrisante Plätze wie der Wenzelsplatz, der zum Zeitzeugen der russischen Okkupation wurde, waren Teil der Führung. Es wurde schnell klar, dass Prag eine sehr dynamische und lebendige Stadt ist, von religiösen und politischen Einflüssen geprägt, in der sich niemand über das Zusammentreffen von Alt und Neu wundert, sondern dass es das ist, was Prag ausmacht. Der
Dienstagvormittag stand ganz im Zeichen des jüdischen Schriftstellers
Franz Kafka, dessen „Proceß“ Sternchenthema im Deutschabitur ist.
Den Auftakt machte der Besuch des Kafka-Museums. Ausgestellt waren Teile
aus Kafkas Tagebüchern, Briefen und anderen Dokumente, die einen
Einblick in Kafkas Leben und seine Person ermöglichten. Im Anschluss
daran wurde dem Bild Leben eingehaucht und zwei der bestehenden Wohnhäuser
Kafkas in Prag besucht. Zum
Abendprogramm gehört der Besuch eines „Schwarzen Theaters“.
Es handelt sich hierbei um eine belustigende Form des Theaters,
welches mittels UV-Licht und fluoreszierenden Stoffen meist in
Dunkelheit vor schwarzem Hintergrund gespielt wird und sich der
Pantomime und Slapstick-Elementen bedient. Eine weitere Besonderheit
dieses Theaters ist, dass es ohne Sprache auskommt, was es auch für
Touristen interessant macht. Thema des Abends waren die Facetten des
Lebens. Am
Folgetag wurden weitere Sehenswürdigkeiten wie das Burgviertel
Hradschin, welches heute Präsidentensitz ist, und zwei andere Wohnhäuser
Kafkas in einer zweiten Stadttour am Vormittag aufgegriffen. Zur
Abrundung des Tages galt es dann am Abend gemeinsam auf der Moldau bei
einer zweistündigen Bootsfahrt den Gaumen zu verwöhnen. Den
Kontrast zum kulturellen Programm brachten in diesen Tagen die viel
frequentierten Lokalitäten der Prager Innenstadt wie unter anderem die
Diskothek Karvovy Lazne, die zu den größten Diskotheken Europas zählt
und die vielen Bars und Clubs, die in Prag zum typischen Straßenbild
gehören. Am
inzwischen fünften Tag hieß es nun Koffer packen. Die Fahrt ging
weiter in Richtung der polnischen Grenze und endete nach über acht
Stunden in Krakau. Die verbleibende Zeit nach dem Bezug der Zimmer ließ
noch einen kurzen Gang in die Stadt zu, um nach der Rückkehr wohlgenährt
in das neue, frisch bezogene Bett zu steigen. Ihren
Höhepunkt fand die Studienfahrt am Freitag mit einer ergreifenden
Exkursion in das ehemalige Konzentrationslager Auschwitz und das
Vernichtungslager Birkenau. Unter nationalsozialistischer Führung
wurden hier in den Jahren 1939-1945 bis zu anderthalb Millionen Menschen
auf brutalste Art und Weise misshandelt und systematisch getötet. Diese
grausame Geschichte lässt sich heute an den großteils erhaltenen Gebäuden
und Ausstellungsstücken aus dieser Zeit nur noch erahnen, was aber
dennoch bei den Teilnehmern einen nachhaltigen Eindruck hinterließ. Gegen
Abend stand der Besuch eines jüdischen Restaurants im Stadtteils
Kasimierz auf dem Plan. Bei Klemzer-Musik wurde koscheres Essen
aufgetischt. Im Anschluss daran gab es noch ein Treffen mit dem
ehemaligen FG-Schüler Sebastian Schlegel, der derzeit in Krakau lebt
und in der KZ-Gedenkstätte Auschwitz tätig ist und über seine Arbeit
und Erlebnisse berichtete. Einer der Teilnehmer merkte dabei an: „In
Auschwitz sollte jeder Deutsche einmal gewesen sein. Das muss man
gesehen haben.“ Am
Samstag war es nun wieder so weit, es hieß Abschied von der einstigen
Hauptstadt Polens zu nehmen. Ein dreistündiger Stadtrundgang fasste den
gewonnen Eindruck der vergangen beiden Tage zusammen. Besucht wurden
hierbei unter anderem die Jagiellonen-Universität, die nach der Prager
Universität mit ihrer Gründung im Jahr 1364 die zweitälteste
Universität Zentraleuropas ist und der Wawel, der mit seiner Kathedrale
und dem Schloss als eines der Nationalsymbole Polens gilt. Kurz
darauf ging es auch schon von Krakau aus mit dem Flugzeug nach
Stuttgart. Doch auch die Weiterfahrt ab Stuttgart mit dem Zug erwies
sich als kulturelles Ereignis. So reiste man zusammen mit einer Vielzahl
an Besuchern des Cannstatter Wasens und den damit einhergehenden Verspätungen
in lautstarker Atmosphäre zurück ins
heimische Gefilde. |
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