Kurze Geschichte des Fürstlichen Hauses Fürstenberg

Dokumentation

Das Fürstliche Haus Fürstenberg gehört zum ältesten hohen Adel Deutschlands.

Das große FF-Wappen mit Fürstenhut u. Mantel, seit 1664 in Gebrauch ;  Klicke zur Vergrößerung auf das Wappen !

Im 11. und 12. Jahrhundert nannten sich seine Ahnen Grafen von Achalm und Urach ; sie besaßen die Grafschaft in den Gauen Pfullichgau und Schwickerstal 
(im heutigen Württemberg) und waren ebendort, auf den Höhen der Schwäbischen Alb, in den Tälern des mittleren Neckar und seiner Seitenflüsse reich begütert. 
Noch heute stehen, weit berühmt durch die herrliche Lage, die malerischen Ruinen der Burg Hohenurach, eines der ältesten Sitze des Hauses.

Als ihren Stammvater verehrten die Grafen von Achalm einen Grafen Unruoch , sehr wahrscheinlich den unter Karl dem Großen lebenden Staatsmann dieses Namens, dessen hervorragende Stellung unter anderem daraus erhellt, daß er Karls des Großen Testament unterschrieben und daß sein Sohn Eberhard des Kaisers Enkelin Gisela, die Tochter Ludwigs des Frommen, geheiratet hat. Berengar, ein Sohn aus dieser Ehe Eberhards, erwarb die italienische Königs- und die Kaiserkrone.

Die älteren Grafen von Achalm starben im Jahre 1098 im Mannesstamme aus, nachdem sie kurz vorher das Kloster Zwiefalten gegründet und überaus reich ausgestattet hatten. Der Stamm ward fortgesetzt durch den anderen Zweig, den der Grafen von Urach, bei denen bereits der Vorname Egino (abgekürzt Egon) stehend ist. Ihnen gehört ein berühmter Held der Kirche an: Konrad, Abt von Clairvaux, später General des Cisterzienserordens, dann Kardinal von Porto und St. Rufina, der gegen die Albigenser in Südfrankreich und als Kreuzzugsprediger in Deutschland gewirkt und als päpstlicher Legat mit fast allen europäischen Höfen verhandelt hat.

Als Kardinal Konrad starb (1228), war mit seiner Familie in Schwaben bereits eine große Umänderung vorgegangen: An neuen Grundbesitz und neue Wohnsitze knüpften sich auch neue Namen. Im Jahre 1218 hatte nämlich Agnes, die Tochter Herzog Berthold IV von Zähringen, die Gemahlin Graf Eginos IV. von Urach, noch dem Tode ihres kinderlosen Bruders, des Herzogs Berthold V. von Zähringen, den größeren Teil der Zähringischen Lande in Schwaben auf ihren Sohn, den Grafen Egino V. von Urach vererbt. Es kostete harte Kämpfe mit Kaiser Friedrich II. und mehr als einem Nachbarn, bis Graf Egino das reiche Erbgut, das sich über den Breisgau, den mittleren Schwarzwald, das Kinzigtal und die Baar erstreckte, sein sicheres Erbe nennen konnte. Der Bedeutung dieser Erbschaft entsprach es, daß die Familie ein neues Wappen annahm, dasselbe, das sie noch jetzt führt, das den Zähringischen Adler, vom Uracher Feh (Pelz) umsäumt, in der Mitte zeigt.

Während nun der auf den Urachischen Stammgütern im heutigen Württemberg zurückgebliebene Zweig des Hauses bald erlosch, und an Württemberg das überging, was von seinem Landbesitz eine in außerordentlichem Maße betätigte Freigebigkeit gegen geistliche Stiftungen übriggelassen hatte, verzweigte sich die nach den zähringischen Landen übersiedelte Hauptlinie schon in der auf Egino V. folgenden Generation wieder in zwei Linien.

Eginos V. älterer Sohn Konrad übernahm die Hauptmasse der breisgauischen Besitzungen und gründete die Linie der Grafen von Freiburg, welche 1475 erlosch, nachdem sie Freiburg an Österreich verloren, dagegen zu Ende des 14. Jahrhunderts die Grafschaft Neuchâtel erworben hatte und dorthin übersiedelt war.

 

 

 Fürstenberg 

Der jüngere Sohn Heinrich erhielt die Lande auf dem Schwarzwald und in der Baar, in denen auch heute die Stammgüter des Hauses liegen, und nannte sich seit 1250 nach der Burg Fürstenberg bei Donaueschingen, wo er seinen Wohnsitz aufschlug, Graf von Fürstenberg. Dieser Heinrich, dem Rudolf von Habsburg auch die Landgrafschaft in der Baar übertrug (1283), war einer der tüchtigsten Söhne des Hauses. Seit sein Vetter Rudolf von Habsburg zum deutschen König gewählt war, setzte er in Krieg und Frieden rastlos und erfolgreich seine beste Kraft in dessen Dienste; in der Schlacht auf dem Marchfelde, welche über den Bestand der habsburgischen Monarchie entschied, war ihm und einem Hohenzollern, dem Burggrafen von Nürnberg, das königliche Banner anvertraut. Daheim förderte Heinrich seine Hauptstadt Villingen, gründete die Stadt Vöhrenbach und zwei Minoritenklöster, in Villingen und auf dem Kniebis.

Weniger glücklich gestalteten sich für die Familie die beiden folgenden Jahrhunderte: Erbteilungen, Mißwirtschaft, Kriegsunglück schwächten ihre Macht. Zwar wurden auch in diesem Zeitraum neue Herrschaften erworben, Wolfach schon durch Heinrichs Sohn Friedrich, dann Hausach, Wartenberg, Lenzkirch, Blumberg; dagegen verlor die Haslacher Linie, die 1386 ausstarb, ihre Hauptstadt Villingen an Österreich.

Gegen Ende des 15. Jahrhunderts vereinigten die Brüder Wolfgang und 
Heinrich VII
. wieder den ganzen Besitz in ihrer Hand. Beide bekleideten nacheinander das Amt des Hofmarschalls bei Kaiser Maximilian und traten im Schweizerkrieg 1499 als Heerführer auf; Heinrich fiel in der Schlacht bei Dorneck.

Wolfgang begleitete den König Philipp noch Spanien und diente dessen Vater Maximilian in den verschiedensten Staatsgeschäften mit Treue und Aufopferung.

Hervorragende Persönlichkeiten waren auch Wolfgangs Söhne, Friedrich II. und Wilhelm ; der erstere, ein Studiengenosse Kaiser Karls V, mehr staatsmännisch und diplomatisch begabt, der zweite ein kühner und unruhiger Kriegsmann. Seit vielen Jahren - rühmt ein Zeitgenosse von Wilhelm - haben wir in deutscher Nation keinen martialischeren Menschen gehabt, der alle lobenswürdigen militärischen Eigenschaften in gleicher Weise besessen hätte.

Eine bedeutende Erwerbung machte Graf Friedrich II. durch seine Vermählung mit der Gräfin Anna von Werdenberg; 1534 erbte er einen Teil der Werdenbergischen Besitzungen, die Grafschaft Heiligenberg, nördlich vom Bodensee, und die Herrschaften Jungnau und Trochtelfingen. Heiligenberg darf unter den Fürstenbergischen Schlössern als die Perle genannt werden; insbesondere sucht der prächtige Rittersaal daselbst, der mit den Ahnenbildnissen des Hauses geschmückt ist, in der deutschen Renaissance-Architektur seinesgleichen. Nicht minder berühmt ist die Schloßkapelle, die ebenso wie den Rittersaal Graf Friedrich und sein Sohn Joachim erbauten.

 Die Landgrafschaft Stühlingen 
- im Wutachtal an der Schweizer Grenze

Ein jüngerer Bruder des Grafen Wratislaus II., Graf Friedrich Rudolf, erwarb durch Vermählung mit der Gräfin Maria Maximiliane von Pappenheim die Landgrafschaft Stühlingen an der Schweizer Grenze und die Herrschaft Hohenhöwen (die 1404 an die Freiherrn von Lupfen gefallen war) im Hegau, der berühmt ist durch die stolzen Burgruinen, die dort auf isolierten Basaltkegeln malerisch thronen.

Die Landgrafschaft Stühlingen ist der Rest des alten Albgaues. 1120 verliert sich der Name Albgau. Noch dem Aussterben der Grafen von Lenzburg gelangte die Grafschaft in den Besitz der Freiherrn von Küssaburg, wo sie bereits als Landgrafschaft Stühlingen bezeichnet wird. Als die Küssaburger erloschen, kam sie an die Edlen von Lupfen und nach deren Aussterben an die Erbmarschälle von Pappenheim und von ihnen, wie gesagt, an Fürstenberg.

Friedrich Rudolf von Fürstenberg ist so der Gründer der Stühlinger Linie. Dessen Urenkel war der landesväterliche Fürst Joseph Wilhelm Ernst, der 1723 seine Residenz nach Donaueschingen, ungefähr dem Mittelpunkt seiner Herrschaften, verlegte, 1744 alle fürstenbergischen Besitzungen in seiner Hand vereinigte und 1762 die Ausdehnung der reichsfürstlichen Würde auf seine gesamte Nachkommenschaft erwirkte. Von seiner Gemahlin, der Gräfin Anna von Woldstein, stammten die 1732 erworbenen böhmischen Besitzungen.

Joseph Wilhelm Ernst ist der eigentliche Schöpfer des Fürstenbergischen Staatswesens. Er vereinigt erstmals wieder sämtliche fürstenbergische Gebiete in einer Hand und verlegt am 31.Okt. 1723 seinen Herrschaftssitz von Stühlingen nach Donaueschingen, das von nun an Residenzort der Fürstenberger wird. Die Residenz erhält ein barockes Gepräge, eine höfisch-kulturelle Aura und wird als Sitz des Fürstenbergischen Staatswesens auch zur wirtschaftlichen und kulturellen Metropole der Baar. Ein gewaltiger Bauboom begleitet diese Entwicklung: durch Trockenlegung eines Sumpfgebietes entsteht ein fürstlicher Park, im Ort selbst entstehen ein Kavaliers-Palais, Beamtenwohnungen, Dienerbauten, Pferdeställe, eine Hofbibliothek und ein Archiv , und selbst ein Hoftheater zählte zu dieser kulturellen Infrastruktur.

Ein Bruder Joseph Wilhelm Ernst's, Ludwig August Egon, übernahm die niederösterreichische Herrschaft Weitra.  Der Enkel des Fürsten Joseph Wilhelm Ernst, Fürst Karl Alois, fiel 1799 bei Stockach als österreichischer Feldmarschallleutnant.

Fürst Josef Wenzel zu Fürstenberg widmet sich der Pflege von Musik und Theater, sowie dem Ausbau des Schulwesens.
1766 hält sich Mozart 12 Tage am Hof auf.
1778 Gründung des Fürstenberg-Gymnasium als Josephinisches Gymnasium
Donaueschingen wir überregionaler Schulort

Dessen Sohn, Fürst Karl Egon II., vereinigte 1804 mit den böhmischen Besitzungen die schwäbischen Lande und regierte noch zwei Jahre als deutscher Reichsfürst unter der Vormundschaft seiner geistvollen Mutter, einer geborenen Prinzessin von Thurn und Taxis. 1805 aber ward durch den Marschall Augereau auf Befehl Napoleons, da Fürstenberg dem Rheinbunde nicht beigetreten war, die Absetzung des Fürsten erklärt und im Jahre darauf durch die Rheinbundakte die Mediatisierung des Fürstentums durchgeführt, die auch auf dem Wiener Kongreß nicht rückgängig gemacht wurde. Der größte Teil des Landes fiel an Baden, einiges an Württemberg und Hohenzollern.
Donaueschingen bleibt Sitz der FF-Domänenkanzlei sowie der FF-Standesherrschaft und bleibt weiterhin strahlende Pflegestätte der Künste und Wissenschaften.

Auf den kunstsinnigen Fürsten Karl Egon II., der mit Prinzessin Amalia von Baden vermählt war, folgte 1854 sein Sohn Karl Egon III. , der seinem Vater an Kunstverständnis nicht nachstand. Er errichtete die berühmten Fürstlichen Sammlungen in Donaueschingen mit der hervorragenden Gemäldegalerie, baute die Hofbibliothek und das Kupferstichkabinett weiter aus und machte sie der Öffentlichkeit in großzügiger Weise zugänglich. Da sein Sohn Karl Egon IV., der seinem Vater 1892 folgte, im Jahre 1896 kinderlos starb, gingen die schwäbischen Besitzungen auf die böhmische Linie und zwar auf Karl Egons II. Enkel, Fürst Max Egon II. (gestorben 1941) über. Unter ihm blühten die wissenschaftlichen- und Kunstinstitute in Donaueschingen weiter auf; daneben war er ein besonderer Förderer der Musik (Kammermusikaufführungen zur Förderung neuzeitlicher Tonkunst in Donaueschingen).

Auf Max Egon II. folgte 1941 sein Sohn Karl Egon V., der jedoch wegen Kinderlosigkeit zu Gunsten des ältesten Sohnes seines Bruders Prinz Max Egon auf das schwäbische Hausgut verzichtete und im Jahre 1936 die landgräflich fürstenbergischen Besitzungen von Weitra in Niederösterreich übernahm. Nach seinem Tode (1973) folgte ihm sein Neffe Joachim als Chef des Gesamthauses. Gleichzeitig gingen die landgräflichen Besitzungen von Weitra durch Adoption auf Prinz Johannes, den jüngsten Sohn des nunmehrigen Fürsten Joachim Egon, über.

Der älteste Sohn von Joachim Fürst zu Fürstenberg, Heinrich Erbprinz zu Fürstenberg, verheiratet mit Maximiliane, geb. Prinzessin zu Windisch-Graetz und deren Söhne Christian und Antonius, lebt ebenfalls in Donaueschingen und leitete bis zum Jahre 2002 mit seinem Vater zusammen die fürstenbergischen Besitzungen.
Joachim Fürst zu Fürstenberg verstarb im Juli 2002 in Donaueschingen.
Heinrich übernahm mit dem Tod des Vaters dessen Nachfolge als Fürst Heinrich zu Fürstenberg, sein Sohn Christian wurde nunmehr Erbprinz, seine Frau Maximiliane Fürstin zu Fürstenberg.

Das Fürstlich Fürstenbergische Schloss
in Donaueschingen


Text entnommen aus einer Broschüre
von Dr.Eduard Johne, 1952 
und Georg Goerlipp, 1994
Archivare des Fürstlich Fürstenbergischen Archives
(ergänzt / Links zu Abbildungen hinzugefügt)


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